Der 2. Schulanfang: Beobachtungsstufe (Kl. 5/6)


Für die Kinder und Eltern, die bisher die Grundschule kennen gelernt haben, ist der Wechsel an die weiterführende Schule ein großer Schritt. Es heißt nicht nur Abschied nehmen von vielen gewohnten Bezugspersonen und alten Freunden. Alle Kinder werden zu Beginn der Klasse 5 auch mit einer großen Zahl ihnen bisher unbekannter Personen in ungewohnter Umgebung konfrontiert. Dies ist eine Verunsicherung und eine Chance zugleich. Damit die Kinder diese Chance für sich optimal nutzen können, bereiten wir sie Schritt für Schritt auf ihren zweiten Schulanfang vor.

Der erste Schritt: Der Tag der Offenen TürJährlich im Januar lädt das EWG ein zu seinem Tag der Offenen Tür: In einem dichten Reigen von Aktivitäten stellt unsere Schule sich und die Ergebnisse ihrer Arbeit vor, lädt ein zum Hinschauen, Anfassen, Mitmachen. Hier können Eltern und Kinder sich gründlich über das Konzept der Schule informieren und hier stellen sich auch erstmals die neuen Klassenlehrerteams vor.

Der zweite Schritt: Die Anmeldewoche und die Zusammenstellung der neuen fünften KlassenIm Rahmen der Anmeldewoche im Februar führen wir mit Ihnen und Ihren Kindern ausführliche Anmeldungsgespräche. Danach erfolgt eine sorgfältige Zusammenstellung der neuen 5. Klassen. Den Wunsch nach Aufnahme von Freunden und Freundinnen in eine gemeinsame Klasse erfüllen wir gern, vermeiden jedoch den Erhalt zu großer Kerngruppen aus derselben Grundschulklasse, um nicht den Prozess der Integration und der Bildung einer neuen Klassengemeinschaft zu gefährden. Zugleich achten wir auf eine gleichmäßige Verteilung von Mädchen und Jungen wie von Kindern mit und ohne Gymnasial–Empfehlung.

Der dritte Schritt: Das Schnupper–treffenKurz vor den Sommerferien laden wir unsere Neuen zu einem Kennenlern-Nachmittag ein: Hier begrüßen die künftigen Klassenteams "ihre" Kinder zum ersten Mal, hier treffen Kinder zum ersten Mal die neuen Mitschülerinnen und Mitschüler; hier finden die ersten Aktivitäten im neuen Klassenraum statt. Gleichzeitig stehen Mitglieder der Schulleitung für Gespräche mit den Eltern bereit.

Der vierte Schritt: Das Projekt "Kennenlernen – den Anfang gestalten"Die erste Schulwoche steht ganz im Zeichen des gemeinsamen Neuanfangs. Die Verantwortung dafür liegt in den Händen der Klassenlehrerteams. Sie haben sich gemeinsam auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet; mit ihnen verbringen die neuen Fünften ihre ersten Tage. Nach einer Rallye durchs Gebäude wird der Klassenraum gemeinsam gestaltet und verschönert. Die Kinder lernen ihre neuen FachlehrerInnen und ihre neuen Fächer kennen: Sie erleben ihre erste Doppelstunde im Fach Natur, ihre erste Englisch– und Mathematikstunde an der neuen Schule und sie machen in der Aula ihre ersten übungsschritte im Szenischen Lernen. Patenschülerinnen und –schüler stehen dabei als verlässliche Helfer und Ansprechpartner im Schulalltag, beim Festefeiern und als Begleiter auf Wandertagen an ihrer Seite.
Rituale und Regeln – an die Erfahrungen der Grundschule anknüpfen, Verantwortung übernehmenDie Gruppen sind größer als an den Grundschulen. Umso wichtiger ist es, dass früh erste Gesprächsregeln gefunden, erste Gruppenrituale eingeführt und geübt werden. Jedes Kind übernimmt eine besondere Aufgabe, ein besonderes Amt für die Klasse. Dabei knüpfen wir an die Erfahrungen an, die die Kinder aus ihren Grundschulen mitbringen. Im Klassenrat werden die Grundlagen für das soziale Miteinander erprobt und trainiert. Er findet in der Regel am Montag in der ersten Stunde statt.

Der fünfte Schritt: Kurzklassenreise oder Junge VolkshochschuleDie Reise in ein Jugendfreizeitheim im Hamburger Umland bildet den Höhepunkt und zugleich den Abschluss der übergangsphase von der Grundschule zum Gymnasium. Sie dient dem näheren Kennenlernen in der Gemeinschaft und der Festigung und Stabilisierung der zuvor erarbeiteten Regeln und Rituale in der Gruppe. Alternativ zur Reise kann dieses Thema auch an drei Tagen mit Theaterpädagogen der Jungen Volkshochschule gestaltet werden.

Hilfen beim Lernen LernenVom Lernerfolg des Kindes hängt wesentlich ab, ob es sich an der neuen Schule wohl fühlt. Dieser Erfolg kann sich einstellen, wenn in der Klasse trotz vieler neuer Fächer möglichst wenig Lehrerinnen und Lehrer arbeiten. Zwei Klassenlehrer, die die Kinder bis Ende Klasse 7 betreuen, können den individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht werden. Hausaufgaben und Klassenarbeiten sind für viele Kinder ebenfalls neu. Gemeinsam trainieren wir, wie man diese anfertigt, wie man Vokabeln lernt, Hefte führt, Projektmappen gestaltet. Unser Ziel ist den Kindern bereits in der Beobachtungsstufe Fähigkeiten zu vermitteln, mit denen sie ihren Lernprozess zunehmend selbsttätig steuern lernen.

Christine Traulsen (Koordinatorin der Klassen 5/6)