Szenisches Lernen - Spielend lernen und Lernend spielen
Ein Beispiel:
Die Peter Maffay Band dröhnt aus dem Lautsprecher. Die Schüler laufen durcheinander, rempeln sich an. Aufruhr im Klassenzimmer? Keine Panik. Die 8a des Emilie-Wüstenfeld-Gymnasiums ist gerade beim "Warming up". Sie spielen "Auto-Scooter".
Angesagt ist heute "Szenisches Lernen" im Fach Deutsch. In der Unterrichtseinheit "Beziehungen" soll Kurt Tucholskys "Herr Wendriner erzieht seine Kinder" angespielt werden. Es wird ruhiger: Vorübungen zur Bewegung im Raum, Gefühls-übungen zum authentischen Spiel. Kurze Improvisationen zur imaginativen Vorstellung von Gegenständen und Personen. Denn: Herr Wendriner sitzt nachher allein auf der Bühne und muss in seinem Spiel seinen Gesprächspartner, den Kellner und das Kind, im Dialog fiktiv auf der Bühne entstehen lassen. Die Kinder wissen, worauf es ankommt. Immer mal wieder haben sie seit der 5. Klasse auch "szenisch" gelernt: in Geschichte, in Deutsch, in Kunst oder Musik.
Was ist "Szenisches Lernen"?
Am Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium liegt - als ein Bestandteil der Schulentwicklung - ein Schwerpunkt im sprachlichen-künstlerischen Bereich im "Szenischen Lernen". "Szenisches Lernen" ist kein neues Unterrichtsfach, in dem wir den Kindern eine Grundausbildung im Fach "Theater" vermitteln, und es ist keine bloße Methode unter anderen, sondern es ist - neben den geöffneten und den traditionellen Formen des Unterrichts - ein unterrichtsgestaltendes Prinzip, mit dem die Spielfreude der Kinder aufgenommen wird und bei dem die Kinder nicht nur denkend, sondern handelnd und gestaltend lernen. Wenn z.B. - in einem Projekt "Freundschaft" thematisiert wird, dann lesen wir nicht nur Texte, sondern wir spielen und variieren das Thema in Rollen - und Interaktionsspielen und reden und schreiben darüber und versuchen das Spiel mit Hilfe von theatralischen Vorübungen genau zu machen und es lebendig zu gestalten. Dabei erfahren die Kinder auch - und zwar ganz nebenbei und mit der Zeit - Grundzüge des Darstellenden Spiels.
Wie ist das Szenische Lernen begründet?
Szenisches Lernen ist im umfassenden Sinne ästhetisches Lernen, das kognitive und affektive Prozesse vermitteln und das Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen schärfen kann und somit die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fördert. Insofern: spielend lernen und lernend spielen - mit Spaß und mit Intensität. Mit dem szenischen Lernen entstehen Spielräume als Handlungsmöglichkeiten, in denen man - bei möglichst authentischem Spiel - Erfahrungen machen kann. Den Bilderwelten der technischen Medien, denen die Kinder passiv-konsumierend ausgesetzt sind, können Gestaltungen von Rollen und Szenen entgegengesetzt werden, in denen sich die Kinder fühlend, denkend und handelnd wiedererkennen können. Und: Unsere Verhaltensweisen in den tagtäglichen Situationen sind "Inszenierungen".
Im Szenischen Lernen bekommen die Kinder und Jugendlichen Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein, wenn sie es wagen, vor anderen zu spielen, und sie erweitern ihre persönlichen Möglichkeiten und Erfahrungen, wenn sie "fremde" Rollen oder ihre eigene einmal ganz anders spielen. Im Zusammenspiel erweitern sie ihre Wahrnehmungsfähigkeit und ihre kommunikative Kompetenz.
Also: Irgendwann im Unterricht heißt es dann: "Auf die Bühne!" Und das Spiel beginnt. Schön laute Musik von Madonna oder Echt für das Aufwärmen: alle tanzen durcheinander, wie sie wollen, dann alle in Zeitlupe, dann alle als mechanische Puppen. So beginnt das spielende Lernen oder das lernende Spielen...
von Volker Hollo
Szenisches Lernen ist im umfassenden Sinne ästhetisches Lernen, das kognitive und affektive Prozesse vermitteln und das Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen schärfen kann und somit die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fördert. Insofern: spielend lernen und lernend spielen - mit Spaß und mit Intensität. Mit dem szenischen Lernen entstehen Spielräume als Handlungsmöglichkeiten, in denen man - bei möglichst authentischem Spiel - Erfahrungen machen kann. Den Bilderwelten der technischen Medien, denen die Kinder passiv-konsumierend ausgesetzt sind, können Gestaltungen von Rollen und Szenen entgegengesetzt werden, in denen sich die Kinder fühlend, denkend und handelnd wiedererkennen können. Und: Unsere Verhaltensweisen in den tagtäglichen Situationen sind "Inszenierungen".
Im Szenischen Lernen bekommen die Kinder und Jugendlichen Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein, wenn sie es wagen, vor anderen zu spielen, und sie erweitern ihre persönlichen Möglichkeiten und Erfahrungen, wenn sie "fremde" Rollen oder ihre eigene einmal ganz anders spielen. Im Zusammenspiel erweitern sie ihre Wahrnehmungsfähigkeit und ihre kommunikative Kompetenz.
Also: Irgendwann im Unterricht heißt es dann: "Auf die Bühne!" Und das Spiel beginnt. Schön laute Musik von Madonna oder Echt für das Aufwärmen: alle tanzen durcheinander, wie sie wollen, dann alle in Zeitlupe, dann alle als mechanische Puppen. So beginnt das spielende Lernen oder das lernende Spielen...
von Volker Hollo




